Aufenthalt im Kloster zur Entscheidungs- und Berufungsfindung

Im Gästezimmer angekommen
Im Gästezimmer angekommen

 

Kann ein Aufenthalt im Kloster zur Entscheidungs- und Berufungsfindung beitragen? Ich denke schon.

[Unbezahlte unbeauftragte Werbung]

Der erste Abend im Kloster

Ich werde nach der gesungenen Komplet freundlich in der Kirche empfangen, schlage ein angebotenes Abendessen aus und übergebe eine Tasche mit Gebäck als Geschenk an die Ordensschwester.

Mir wird das Nötigste erklärt, aber ich vergesse sofort wieder alles; der Kopf ist zu voll.

Ich trete so unsicher auf, dass ich mich schäme.

Ich muss ein paar Entscheidungen treffen und das stoße ich an mit einer Auszeit im Kloster, in der ich auch Gespräche mit klugen Frauen führen kann, deren Lebensweise ich schätze.

Ich ziehe mich aus und lege mich ins Bett. Die Reise war lang. Hier war ich auch noch nie.

Im Gästezimmer angekommen
Im Gästezimmer angekommen

Aufenthalt im Kloster: Das Gästehaus für mich allein

Ich habe das gesamte Gästehaus für mich alleine.

Introvertierte Personen regenerieren sich, wenn sie alleine sind.

Wann hat man schon mal ein ganzes Haus für sich?

Gang im Gästehaus
Gang nachts im Gästehaus

Wo Gott weint

… lautet der Titel eines Buchs, in das ich in der ersten Nacht rein gelesen habe. “Speckpater” nannten sie den niederländischen geistlichen Werenfried van Straaten, weil er in der Nachkriegszeit erfolgreich um tonnenweise Essen für die Deutschen gebettelt hatte und weil er selbst auch groß gewachsen und – für damalige Verhältnisse – stämmig war. Er soll bei seinen Bettelzügen gesagt haben, er wolle kein Geld für die Deutschen, sondern:

“Ich verlange Speck!”

Auf dem Gang meines Gästezimmers ist eine kleine Küchennische, wo ich mir gegen eine Spende Tee zubereiten kann.

Beim Aufenthalt im Kloster gibt es eine Abendlektüre: Das Buch "Wo Gott Weint" und Früchtetee
Abendlektüre und Früchtetee

Ich höre in Endlosschleife noch die Aussage von einem Kollegen auf meinem Handy, der meint, dass, wenn ich weiter journalistisch an der ein oder anderen Sache arbeite, tot enden könnte.

Konflikte

Ich arbeite im sozialen Bereich mit Opfern, im juristischen Bereich mit Tätern und Behörden und im journalistischen Bereich, in dem ich diese Erkenntnisse und Verbindungen bei der Darstellung eines Ganzen berücksichtige. Dies alles unter der Prämisse, mit meiner Arbeit Menschen helfen zu wollen.

Diese drei Tätigkeitsbereiche haben Konfliktbereiche; es ist schwierig, z. B. von einer Quelle (Journalismus) Namen von koksenden Stadtbeamten zu bekommen und gleichzeitig für einen Juristen zu arbeiten, der die Stadt regelmäßig vertritt (juristischer Bereich), wenn ich gleichzeitig noch ehrenamtlich in einem Frauenhaus mit Gewaltopfern drogensüchtiger Ehemänner arbeite (sozialer Bereich).

Noch schlimmer ist es, wenn die Quelle irgendwann sagt; Stopp, mir ist das doch zu heiß. Du kannst doch nicht drüber berichten.

Dann habe ich jetzt Informationen und potentiellen Handlungsbedarf, was ich nun persönlich verarbeiten muss, aber wegen meiner Loyalität zu Quelle (Journalismus), Klientel (soziale Arbeit) und Arbeitgeber (JuristInnen) in diesen Bereichen nicht kann.

Die Erkenntnisse, die ich beim Zusammenfügen zu einem Ganzen habe, sind teilweise auch sehr beunruhigend.

Meine Informationen erhalte ich auch in inoffiziellen Gesprächen mit Personen, die z. B. bei der Polizei, beim LKA, in einer Detektei oder als Juristen jeder Art tätig sind oder von Personen aus deren Umfeld. Wenn ich frage, wie sie denn mit Dingen wie Amtswillkür, Rechtsbeugung, Manipulation von Akten, psychischer und physischer Gewalt in den eigenen Reihen, etc. umgehen, sagen viele von denen, die ich gefragt habe, sinngemäß:

Sie können es ausblenden. Und: Wer das nicht kann, hätte den falschen Beruf.

Ich kann das nicht.

Wie kann man denn bitte Erkenntnisse und Erinnerungen ausblenden?

Wie kann man denn Leid von anderen ausblenden, das man womöglich lindern oder aufheben kann, wenn man eine Lösung findet oder die Gefahr, die von nicht gemeldeten Vorgängen ausgeht?

Soll ich mir eine Bubble basteln oder ein Zuckerwatte-Fantasieland, in dem z. B. nicht mehr vorkommt, dass Oberstaatsanwälte Wiederaufnahmeverfahren falsch verurteilter Unschuldiger, die seit 10 Jahren unrechtmäßig einsitzen, vereiteln, damit sie für ihren Fehler keine Verantwortung übernehmen müssen?

Ich weiß manchmal nicht mehr, wo oben und unten sein soll. Aber Gott ist immer oben, also kann mir ein Aufenthalt im Kloster und Gespräche mit den dort Lebenden Menschen vielleicht helfen, meinen Kompass wieder deuten zu lernen…

Aufenthalt im Kloster: Der zweite Tag

… verläuft angenehm. Das Essen ist besser als das beste Essen, das ich zu Hause habe 😐

Mittagessen im Kloster
Mittagessen im Kloster: Blumenkohlsuppe, Kartoffeln, Salat, Erdbeeren, Melissensaft, Wasser, Fisch und Sellerieschnitzel

Ich werde einmal auf dem Handy angerufen, weil ich anstatt im Frühstückssaal gedankenversunken auf einer Bank im Garten sitze. 🙄

Ich bitte die Ordensschwester um Entschuldigung für meine Unsicherheit und Unaufmerksamkeit.

Ich bekomme Bücher zum Lesen und auch wird mir erklärt, wie die Komplet gesungen und gebetet wird. Ich bekomme dann noch den Klosterladen, den Friedhof, die Kapelle, das Wohnhaus und die Waschküche gezeigt.

Ich versuche, die Bücher, das Handy und den Laptop ein paar Tage außen vor zu lassen und nehme mir viel Zeit, nachzudenken, zu singen und zu beten.

Gespräch mit der Äbtissin

Gespräch mit der Ordensschwester

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.