Alltagsgeschichte: Treffpunkt U-Bahn (1993) von Dr. Elizabeth Toni Spira

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Serie "Alltagsgeschichte: Treffpunkt U-Bahn (1993) von Elizabeth T. Spira, nämlich eine Situation, in der sich mehrere Männer unterhalten
Bildschirmfoto: (c) Elizabeth T. Spira: Alltagsgeschichte – Treffpunkt U-Bahn (1993)

Dr. Elizabeth Toni Spira (1942 – 2019) war eine österreichische Fernsehjournalistin, die als Produzentin und Moderatorin der Dokumentarfilm-Reihe Alltagsgeschichte und der Sendung Liebesg’schichten und Heiratssachen für den Sender ORF ab den 1980er und 1990er Jahren in Österreich große Popularität erreichte.

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Danke, Youtube-Algorithmus

, dass Du mir dieses Video in die Timeline gespült hast.

In dem Film “Alltagsgeschichte: Treffpunkt U-Bahn (1993)” hat sich Frau Dr. Spira mit ihrem Team an verschiedene Bahnhöfe der Wiener U-Bahn begeben, sich mit den sich dort aufhaltenden Personen unterhalten und eindrucksvolle Momentaufnahmen der 90-er Jahre geschaffen.

Die Protagonisten wirken meines Erachtens sehr nahbar, während Frau Spira dem Zuschauer durch ihre Moderation ermöglicht, ein gewisses Maß an Distanz einzunehmen, um die Situation und Person noch intensiver erfahren zu können:

Österreichische Alltagsgeschichten

Ab Minute 19:25 gibt es einen Dialog zwischen einem Obdachlosen und der Polizei:

Polizist: “Können Sie a bissl Ihr Mundwerk hoitn!?”

Mann: “I hobs imma ghoitn!”

Polizist: “Na guat don.. don hoitn’s es jetz a. Okeh? Des Weges! Auf Wiederschaun!”

Dieser Dialog ist so österreichisch.

Es gibt fast nix österreichischeres…

Der geschiedene Maurer

Das Bild zeigt einen Herrn mit Jeansjacke
Der geschiedene Maurer (c) ORF

Der geschiedene Maurer sagt ab Minute 22:18, dass er geschieden ist. Frau Spira entgegnet dann:

“Oje, wieso?”

Geld sei dem Maurer außerdem wichtiger als Liebe. Er kehrt nach einer Weile wieder zum Filmort zurück, um die Eckdaten zu seiner Traumfrau durchzugeben. 1993 gab es noch kein Internet, mit dem man auf Partnersuche gehen konnte 🙂

Die gelinkte Frau

Das Bild zeigt eine blonde Frau
Die gelinkte Frau (c) ORF

Die Frau bei Minute 27:04 fühlt sich von ihrem Freund “gelinkt”, weil er sie zum Drogenkonsum verleitet habe und sie gemeinsam ihr siebenstelliges Erbe verprassten.

“War des g’scheit?”

fragte Frau Spira die Frau bei Minute 28 auf die Erklärung, dass sie sich auch “aus Liebe” zu ihm von ihm mit HIV anstecken hat lassen.

Der minderjährige Stricher

Das Bild zeigt einen laufenden Jungen
Der minderjährige Stricher (c) ORF

Der 15-jährige Prostituierte der ab Minute 39:30 erklärt, wie es ist, seit seinem 13. Lebensjahr auf der Straße zu sein und wie er “Kleinigkeiten” für Erwachsene tut.

Diese arme Seele 😔

 

 

Der Film endet mit einem am Boden liegenden Betrunkenen und dem Herunterlassen des U-Bahn-Eingangstores.

Kommentar(e)

Die Kommentare unter dem Video sprechen schon etwas Wichtiges an; die meisten der Protagonisten sind offensichtlich betrunken, rauchen und / oder konsumieren anderweitige Drogen:

Das Bild zeigt eine Auswahl von Kommentaren auf Youtube zu dem Film
Bildschirmfoto: Kommentarspalte Youtube

Die junge Frau, die bei Minute 26:14 rauchend und saufend unter lauter Obdachlosen auf dem Boden sitzt? Gut. Die ist einfach nur faul.

Die “gelinkte Frau”, die sich “aus Liebe” zu ihrem Freund von ihm mit HIV hat anstecken lassen und die ein Millionenerbe verprasst hat? Das ist natürliche Auslese.

Der “15-jährige Stricher” mit dem Horror-Elternhaus? Was läuft da nicht nur bei manchem Menschen zu Hause, sondern auch in unserem System schief, dass es sowas überhaupt geben kann?

Die antisemitische Babuschka, die bei Minute 7:06 angibt, auf den “zweiten Hitler” zu warten? Was hat die erlebt oder nicht erlebt, um so eine menschenverachtende und strafrechtlich relevante Auffassung vor einer Kamera zu äußern?

Der “geschiedene Maurer”, der in mehrfacher Hinsicht belastet ist von den finanziellen Verpflichtungen gegenüber seiner Exfrau? Er zeigt sich so wundervoll optimistisch, als er zurück kommt und die Eckdaten zu seiner Traumfrau durchgibt.

Potential

Ich arbeite ehrenamtlich im sozialen Bereich und mich machen solche negativen Schicksale – egal wie viel Eigenverantwortung die Person daran trägt – unendlich traurig. Es gibt so viele traurige Schicksale. Nicht jede Person kann und will jeden Schicksalsschlag überwinden, das ist klar.

Aber jeder einzelne hat einen großen Wert und große Verantwortung in unserer Gesellschaft.

Die Personen in dem Video sind alles Menschen, die ihr Potential nicht annähernd voll ausschöpfen (können) und andere bösartige Menschen und Institutionen bereichern sich daran.

Was könnten diese Menschen erreichen und wie weit könnte unsere Gesellschaft sein, wenn alle ihr Potential voll entfalten würden? Und wie sehr würde ALLEINE DAS bösen Menschen und Institutionen das Handwerk legen?

Ist es vielleicht sogar die Pflicht eines jeden Menschen, sein Potential voll auszuschöpfen? Zum Verdruss von bösartigen Menschen und Institutionen und zum Wohle aller?

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