Empathie

Symbolbild: Empathie (c) geralt
Symbolbild: Empathie (c) geralt

In letzter Zeit habe ich mich viel mit dem Thema “Empathie” beschäftigt.

In einer Wirtschaftspsychologievorlesung hatte ich ja einmal den Dozenten gefragt, ob ich nicht jetzt noch Psychopathin werden könnte. Hier habe ich das auch im Blog erwähnt.

Beim Thema “Wahrnehmung” des Marketings wurde nämlich erwähnt, dass psychopathischen Menschen das vollständige Fehlen von Empathie unterstellt wird. Mein erster Gedanke zu dieser Information war: Ich wollte diesen Zustand auch für mich haben, da ich immer den Wunsch habe, anderen Menschen zu helfen und mich immer automatisch in sie hinein versetze, wodurch ich selbst sehr in den Hintergrund treten kann.

Über meine Zeit im Ausland habe ich auch hier geschrieben, dass es mir gefällt, eine Fremdsprache zu sprechen, weil ich mich dann eben auch sehr auf die Grammatik, etc. konzentriere und diese Kapazitäten mir dann nicht mehr zur Verfügung stehen, mich in den Gesprächspartner hinein zu versetzen – ganz nach dem Motto: weniger mitbekommen, glücklicher sein!

Dieses Ausmaß an Empathiefähigkeit macht einen wesentlichen Teil meines Charakters aus, ist für mein Verständnis aber noch in der Norm; ich kenne mich gut, kann mich zurückziehen, wenn ich will und auch kommunizieren, dass ich jemanden jetzt gerade eben nicht helfen kann oder möchte.

Empathie als Traumafolge

Da ich gerade an einem Artikel über eine traumazentrierte soziale Einrichtung schreibe, bin ich auch mit der psychologischen Erkenntnis konfrontiert, dass traumatische Erlebnisse zur sehr starker Empathiefähigkeit führen können; wenn zum Beispiel Gewalt in der Familie herrscht entwickelt das Kind diese starke Empathiefähigkeit als “Überlebensstrategie” – es ist ja darauf angewiesen, zu erkennen, wann das gewalttätige Familienmitglied sich wie fühlt. Was löst in dem Täter oder der Täterin wieder einen Wutanfall aus, der wieder gefährlich für das Opfer wird? Was führt zu Apathie beim Täter oder der Täterin, wodurch wieder eine Phase der Vernachlässigung, des Hungerns, etc. für das Opfer ansteht? Wie ist die Stimmung des Täters oder der Täterin gerade? Bei Gewalt gegen die sexuelle Selbstbestimmung: Wie muss das Opfer den Täter befriedigen, sodass es möglichst schnell vorbei ist?

Natascha Kampusch

Ich habe mich dann auch wieder an eine Stelle in einer Reportage, die ich vor ein paar Jahren mal gesehen habe, erinnert; mich hat damals sehr verwundert, dass die als 10-Jährige für über 8 Jahre entführte Natascha Kampusch einem Interviewer sehr empathisch das Verhalten Ihrer eigenen Mutter erklärt hat;

“Sie hat es auch ein bisschen übertrieben in der ersten Zeit, weil sie eben so lange ihr Kind vermisst hat […]” Ich habe die Reportage auch online wiedergefunden und die Stelle kommt bei Minute 32:33:

Es hat mich sehr beeindruckt, zu was Menschen fähig sein können; dass eine über einen achtjährigen Zeitraum misshandelte Person Jahre später in einem Interview analytisch psychologisch das Verhalten der eigenen Mutter erklärt und dabei irgendwo auch abstrakt über sich in der dritten Person “weil sie eben so lange ihr Kind vermisst hat” sprechen kann.

Nicht nur, dass da überhaupt Kapazität dafür da ist, sondern, dass das im Rahmen eines Interviews auch sofort für Frau Kampusch abrufbar war und situationsangemessen kommuniziert werden kann.

Auch die Reittrainerin unterstellt Frau Kampusch starke Empathiefähigkeit: “Sie hat auch sehr viel Gefühl für das Tier und spürt, wenn es dem Tier nicht gut geht.” (Minute 30:05)

Ein nicht unerheblicher Teil der Reportage spielt sich auch im Haus ihres Peinigers, Wolfgang Přiklopil, ab, in dem sie über 8 Jahre lang eingesperrt und gefoltert wurde; sie hat dieses Haus als Entschädigung überschrieben bekommen und bezeichnet diesen Ort als “Gedächtnisstütze” und kommt alle zwei Monate für Reparaturen, Ablesung des Stromzählers, etc. und offensichtlich auch in das leerstehende Haus.

Sie erzählt auch, dass sie sich immer wieder so verhalten hat, dass der Täter mit seiner Wut, etc. immer wieder bei ihr in eine Sackgasse gelangt ist. Sie hat offensichtlich bis zum Schluss ihres Martyriums, über acht Jahre lang, mental Widerstand geleistet.

Was Frau Kampusch geleistet hat, kann sich vermutlich kaum jemand vorstellen. Bei Natascha Kampusch handelt es sich offensichtlich um eine sehr intelligente Person, die großen Respekt verdient.

Natascha Kampusch auf Instagram: n.kampusch

Natascha Kampusch auf Twitter: @nkampusch

Natascha Kampusch auf Facebook: Autorin Natascha Kampusch

Homepage: kampusch.com

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