Freundschaft

Symbolbild: Freundschaft (c) AnnieSpratt
Symbolbild: Freundschaft (c) AnnieSpratt

Kürzlich habe ich mit einer Freundin vereinbart, dass unsere Freundschaft beendet ist.

Es ist auch eine Form von Minimalismus und Achtsamkeit, genau zu überlegen, welche Personen man in sein Leben lässt.

Grenzen.

Jedermanns Kapazitäten sind begrenzt. Ich habe nicht unendlich viel Zeit für andere, unendlich viel Geld für Geschenke und unendlich viel Energie für soziale Interaktion. Und ich habe sicherlich nicht unendlich viel Kapazität, mich aus Manipulation herauszudenken und mich den psychischen Nachwehen zu widmen.

Diese Begrenzungen sollte man erkennen, anerkennen und respektieren.

Im gegenständlichen Fall kannten wir uns über zehn Jahre und hatten vor allem in den ersten Jahren schöne Zeiten miteinander. Wir waren zusammen in der Schule, zusammen Einkaufen und essen. Ich habe mitbekommen, wie sie ihr erstes eigenes Auto bekommen hat, was in ihrem Privatleben passiert und habe hunderte Fotos von ihr, ihrem Partner, ihrem Haus, ihren Haustieren und unseren Briefen und von uns.

Ich bin dann aus dieser Gegend weggezogen und dann passierte nicht mehr viel von ihrer Seite. Mich irgendwo besuchen war für sie überhaupt nicht drin, aber sobald ich in der Nähe bin, war sie bereit sich zu treffen.

Red Flag.

Das ist immer eine Red Flag; wenn andere es vollkommen ok finden, dass man sich trifft, wenn man in der Nähe ist, aber selbst nicht irgendwo hinfahren.

Da ist offensichtlich null Bereitschaft da gewesen, etwas für die Freundschaft zu tun.

Jede Beziehung bedeutet Arbeit.

Ich muss mich in dreckige und gefährliche Busse und Züge setzen – als introvertierte Person ist das doppelt so anstrengend wie für nicht introvertierte Personen – und kaufe mir mit meinem letzten Geld Fahrkarten zu unserem alten Treffpunkt, während sie mit eigenem Auto in Teilzeitstellung und luxuriöser drei-Tage-Woche nicht einen Kilometer entgegen kommt. Und ich mache das in meiner spärlichen Freizeit, die ich in einer oftmals 7-Tage-Woche habe.

Wie kann man so sein? Dass man sich da nicht bescheuert vorkommt, jemand anderem so etwas zuzumuten, während man die einfachere Version für sich nicht einmal in Betracht zieht?

Das ist ungerecht.

In meinen schlimmsten Situationen war sie nicht da. Weder physisch noch am Telefon oder via Messenger.

Natürlich wurden dann auch Nachrichten weniger und Briefe auch, bis sie ganz eingestellt worden sind.

Auf meine Nachrichten wurde dann auch gar nicht mehr geantwortet.

Man sieht dann aber, dass sie gelesen wurden.

Ich habe mich dann einmal wirklich beschwert und dann kam sie mir auch so entgegen, zuzugeben, dass das nicht richtig war.

Und dann ist später wieder genau das gleiche passiert – meine Nachrichten waren gelesen, aber monatelang nicht beantwortet.

Trotzdem hat sie aber scheinbar die Zeit und Muse, regelmäßig den Messengerstatus und Facebook zu aktualisieren.

Prioritäten.

Kürzlich kam dann von ihr eine Nachricht auf mein Handy, die völlig oberflächlich in etwa „Hiii, wie geht´s?“ etc. lautete.

Und auf so einen Scheiß gehe ich schon hier auf dem Blog, auf Social Media oder in der Arbeit nicht ein. Wenn meine Zeit in Anspruch genommen werden soll, kann ich auch erwarten, dass man mich ordentlich anspricht oder anschreibt.

Lügen.

Sie hatte dann auf meine Nachfrage behauptet, dass sie mir nicht schreiben konnte, weil sie ihre Simkarte verloren hätte und auf der wären alle Nummern gewesen.

Das ist offensichtlich eine Lüge – selbst unterstellt, es wäre so, schreibt sie mich ja gerade auf meinem Handy an. Und außerdem sind wir auch noch über Social Media verbunden und – ich habe nachgesehen – es gibt keine einzige Nachfrage, wie nochmal meine Nummer lauten würde.

Außerdem war es ja jahrelang das gleiche – sie ignorierte meine Nachrichten einfach.

Ich glaube, sie wollte, dass ich mich von ihr, der ich offensichtlich beinahe egal bin, noch anlügen lassen müssen und für sie bedauern, dass sie all ihre Telefonnummern verloren hat?

Wie dreist kann man sein?

Noch mehr Lügen.

Sie hat dann – für mein Verständnis – ziemlich manipulativ formuliert, dass sie jetzt eine zweite Arbeitsstelle hätte und deswegen keine Zeit gehabt hätte, um mir zu schreiben.

  1. Sagt ihr Facebookprofil, auch was anderes – da ist offensichtlich genug Zeit, zu texten.
  2. Habe ich sogar bei vier Jobs gleichzeitig, größten Existenzängsten und Burnout kurz vorm Abkratzen Zeit, meinen FreundInnen zu antworten und
  3. wird sie ja mal kurz vorm Parkticket Lösen, Schlafengehen, in der Pause oder an nem freien Tag eine einminütige Nachricht an mich senden können und wenn die auch nur lautet:

„Ich hab dich nicht vergessen, ich melde mich nächste Woche, sobald ich Kapazitäten habe!“

Ich habe auch nicht viel (Frei)zeit, Geld und Energie, aber eine Minute für ne Messengernachricht ist sogar bei mir drin, insofern auch bei jeder anderen Person, insbesondere ihr, die sich schon sehr viel Zeit durch das eigene Fahrzeug spart.

Was wirkliche Freunde tun.

Ich dachte dann auch an eine andere Freundin, die ich ebenfalls über 10 Jahre kenne. Diese ruft mich teilweise abends an, während sie mit dem Rad von der Arbeit heimfährt (!), nur, damit wir uns mal kurz wieder hören können.

Ist verheiratet, hat Kinder, Haustiere, ein Haus und Arbeit. Ist also wesentlich mehr beschäftigt, als meine gegenständliche „Freundin“.

Wenn man will, kann man sich melden.

Alles andere sind Ausreden.

Ende.

Ich habe ihr dann sinngemäß geschrieben, dass ich keinen Sinn mehr in unserer Freundschaft sehe bzw. dass es keine Freundschaft wäre und dass ich denke, dass sich unsere Wege hier trennen sollten.

Wir haben uns dann alles Gute gewünscht und das war es dann.

Rückblick.

Rückblickend muss ich sagen, dass es ganz viele Hinweise darauf gab, dass es keine Freundschaft war.

Sich auf Anhieb gut verstehen passiert mir als Empathin z. B. auch mit NarzistInnen. Das kann also nicht ausschlaggebend sein.

Keine Unterstützung.

Wir haben uns in einer Schulklasse kennengelernt, wobei ich nachts in Vollzeit bei McDonald´s gearbeitet habe, um die Schule überhaupt besuchen zu können. Anstatt mir irgendwie Unterstützung anzubieten – und wenn es nur durch nette Worte gewesen wäre – fand sie es passender, dass ich im Unterricht im Sitzen einschlief, nachdem ich drei Tage wach war und das Lied „3  Tage wach“, das damals aktuell war, zu singen.

Wenn ich so eine Person bei mir im Umfeld – ob Schule, Arbeit oder Privatleben – hätte, hätte diese Person meine Unterstützung. Egal in welcher Konstellation wir zueinander ständen. Und wenn es meine ärgste Feindin wäre.

Diese Person bekäme von mir nichts als Bewunderung, was ich von meiner „Freundin“ nie gehört habe.

Keine Involviertheit.

Ich hatte zwischenzeitlich mehrere Schicksalsschläge, Umzüge und Strapazen.

Jemand, der meine Nachrichten nicht beantwortet, kommt natürlich auch gar nicht dazu, in mein Leben involviert zu sein und umgekehrt.

Ich glaube auch nicht, dass in ihrem einfachen Kopf und einfachen Leben auch nur ein Funke Verständnis für meine komplexe Situation wäre.

Das ist in der Gesamtbetrachtung keine Freundschaft.

Das ist allenfalls eine Bekanntschaft.

Ungleichheit.

Wenn ich mir ansehe, wer wem etwas geschenkt, geschrieben oder geschickt hat, sehe ich ein Ungleichgewicht. Ich erinnere mich dran, dass ich ihr mal ein Kleid bezahlt habe als wir in der Stadt waren. Ich wollte, dass sie es trägt, weil es ihr stand. Ich glaube, ich habe immer mehr Sachen geschickt oder geschenkt als sie. Ich habe mich an ihre Geburtstage erinnert und bekommen habe ich noch nicht mal eine 1-Minuten-Messenger-Nachricht zu meinen.

Ich glaube, Sie und jede Person, die mich kennt, weiß, dass ich immer für jemanden da bin. Dass man mich nachts um zwei anrufen kann und ich bin da. Dass ich finanziell aushelfe, wenn ich kann. Dass ich anbiete, bei Umzügen zu helfen oder danach beim Putzen. Dass ich bei Problemen da bin, zuhöre, dass alles, was mir gesagt wird, bei mir bleibt. Dass man mir vertrauen kann. Und ich glaube auch, dass nichts davon bei ihr da ist.

Ich schenke nicht, um eine Gegenleistung zu bekommen, sondern weil es mich freut, dass es den anderen freut. Ich helfe nicht, um eine Gegenleistung zu bekommen, sondern weil ich es wichtig und richtig finde, anderen Menschen zu helfen und weil es sich gut anfühlt. Aber in der Gesamtbetrachtung ist ein großes Ungleichgewicht in dieser Hinsicht immer ein Warnzeichen, dass man eine Beziehung überdenken und sich seiner Stellung bewusst sein sollte.

Freundschaft definieren.

Das alles ist für mich – wie ich sie heute definiere – keine Freundschaft.

Freundschaft basiert für mich auf Authentizität und Ehrlichkeit und bedeutet, füreinander da zu sein, sich zu verstehen oder zumindest einander verstehen zu wollen.

Ich habe lieber keine Freunde als falsche Freunde oder gar Feinde, die sich Freunde nennen.

Vielleicht war vor über zehn Jahren als wir uns kennenlernten dieser Standard nicht da – ganz sicher war er das nicht – aber heute bin ich mir dessen bewusst.

Sicherheit.

Ich möchte niemanden in meinem Leben haben, der mich anlügt, hinhält, beschwichtigt, nicht für mich da ist und sein Fehlverhalten mir gegenüber kleinredet oder sogar die Schuld für das eigene Fehlverhalten verschieben will. Beruflich und geschäftlich habe ich ständig mit Manipulation zu tun und umso wichtiger ist es für mich, dass mein Privatleben frei davon ist. Dass ich mich sicher fühle und dass ich weiß, auf wen ich mich verlassen kann.

Jeder muss doch seinen Freunden vertrauen können.

Gefahr.

Wenn ich auch nur eine Person wissentlich in mein Leben lasse, die Gaslighting praktiziert und offensichtlich gar nicht weiß, was Freundschaft bedeutet, dann wirkt sich das auf jede andere Beziehung in meinem Leben aus. Wenn ich meinen nahestehendsten Personen gestatte, mich zu manipulieren, anzulügen und mir zu schaden, dann gestatte ich das auch unbewusst jeder anderen Person und mir selbst.

Ich destabilisiere mich in diesem Fall selbst und ich senke meine Standards.

Und das will ich nicht.

Fazit.

Und wenn die Situation so ist, dass ich keine Menschen in meinem Leben habe, die meine Kriterien von Freundschaft erfüllen, dann ist es eben so. Dann habe ich immer noch mich.

Alles kommt zur rechten Zeit.

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