Gespräch mit der Äbtissin zu Berufung, Beruf und Zukunft

Symbolfoto: Buddhistische Nonnen
Symbolfoto: Buddhistische Nonnen

Während dem Klosteraufenthalt stelle ich der Äbtissin Fragen zum Noviziat. Ich will wissen, wie ein Kloster wirtschaftlich funktioniert und erfrage, wie der Alltag von Ordensschwestern aussieht und aus welchen Gründen Kandidatinnen bzw. Novizinnen bisher abgelehnt wurden…

Gehorsam, Keuschheit und Armut

… sind die drei Werte, denen sich Ordensmitglieder nach kirchlichem Recht zunächst für eine zeitliche Profess und dann lebenslang verschreiben; man erkennt also die interne Ordnung unter der Ebene “Äbtissin” an, führt keine romantische Beziehung, hat keine Kinder, man lebt bescheiden und mit der ewigen Profess überträgt man sämtliches Einkommen und Vermögen an den Orden.

Mit Keuschheit und Armut habe ich nicht unbedingt ein Problem, aber mit dem Gehorsam; ich weiß nicht, ob ich mich derart einer Äbtissin unterordnen kann und will bzw. generell jemandem.

Diese Schwestern verlassen das Kloster einmal im Jahr für einen Familienbesuch.

Wir sprechen über das Durchschnittsalter und auch über das Thema “Berufung”.

Die Frage der Berufung

Man kann als Frau seine (christliche) Berufung womöglich

  • im Sakramentale der Jungfrauenweihe finden, und in der freien Welt leben bleiben,
  • in einer relativ freien Ordensgemeinschaft oder
  • in einem Klosterorden finden.

Klar ist, dass ich mich von meinen Angehörigen, Kolleg(inn)en und Freund(inn)en unterscheide und nach etwas suche.

Die Frage des Berufes

Ich spreche an, dass für mich lebenslanges Lernen wichtig ist, was natürlich auch mit Kosten einher geht.

Könnte ich auch beruflich zur katholischen Kirche gehören?

Es ist möglich, neben der einfachen Arbeit im Kloster und am Hof seinem bisherigen Beruf nachzugehen und auch die von mir erwähnte Arbeit im Homeoffice wird mit Interesse zur Kenntnis genommen.

Ich spreche auch an, für den Hofladen einen Internetshop erstellen zu können, um die Erträge des sich selbst erhaltenden Klosters zu steigern, was positiv aufgefasst und sogar in Betracht gezogen wird. Wir verbleiben so, dass ich Beispiele anderer Klöster heraussuche und mich über Hosting-Angebote informiere. 👍

Die Jungfrauenweihe in der Katholischen Kirche

Sollte ich mich für die Jungfrauenweihe entscheiden, bliebe ich in meiner eigenen Wohnung, verdiene und verfüge weiterhin über mein Geld, implementiere das Stundengebet in meinen Alltag und verzichte auf romantische Beziehungen bzw. die Ehe und das Gründen einer Familie. Zu Gunsten meiner Arbeit für die (christliche) Gemeinschaft. Man bleibt also selbstbestimmt und flexibel, tut Gutes, kann Kontakte knüpfen und sich mit Gleichgesinnten verbinden. 5.000 geweihte Jungfrauen gibt es weltweit.

Leben in Orden, die relativ frei sind

Es gibt auf der einen Seite das relativ freie Leben in diversen Orden, in denen die Ordensschwestern nicht das typische Nonnengewand tragen, morgens allenfalls zusammen beten, zusammen essen und in denen jede ihrer eigenen beruflichen Tätigkeit, manchmal sogar in der freien Wirtschaft nachgeht. Dabei leben die Frauen in einer Wohngemeinschaft, teilweise in ganz normalen Häusern zusammen.

Das Einkommen und Vermögen wird auch in diesem Fall bei der ewigen Profess an den Orden übertragen. Ich habe mich nicht nach einem Äquivalent für die Äbtissin in einem Kloster erkundigt, aber werde bei Gelegenheit noch genauer nachfragen.

Leben im Kloster

Es gibt auch noch das klassische Ordensleben mit Nonnengewand, fünfmal am Tag zusammen beten, dreimal am Tag zusammen essen, einmal am Tag zusammen einen Gottesdienst besuchen und gestalten, Chorproben und Hofarbeit und die Frauen verlassen nur einmal im Jahr das Kloster, um Verwandte zu besuchen bzw. gesondert für Tagungen oder Notfälle in der Familie.

Man bekommt kein Taschengeld, sondern bittet sogar um Geld für Drogerieprodukte und Kleidung aus der Gemeinschaftskasse und ist an die Weisungen der Äbtissin gebunden. Ich finde das schwierig.

Orden sterben aus. Zwei Drittel aller Ordensmitglieder sind über 50 und im Jahr 2018 hatte Deutschland nur noch 18 Anwärterinnen bzw. Novizinnen.

Nichts machen ist schwieriger als arbeiten

… behauptet die Äbtissin.

Ich verstehe genau, was sie meint.

Hatten Sie Zweifel nach Ihrem Eintritt ins Kloster?

Ich frage die Äbtissin, wie sie festgestellt hat, dass es ihre Berufung ist, diesem Orden beizutreten und ihre ganzen Ressourcen dem Leben für Gott zu widmen?

Die Äbtissin verneinte jedenfalls, im Nachhinein irgendwann einmal Zweifel gehabt zu haben, was ich sehr schön finde.

Sie sagte auch, dass sie kurz vor ihrer Promotion vom Ordensleben erfahren hat und sie das ein halbes Jahr nicht mehr losgelassen hat.

Sie hatte wieder und wieder das Gespräch mit verschiedenen Menschen gesucht und sogar das Weinen angefangen als sie “befürchtete”, dass das Ordensleben IHR Weg sein könnte.

So ungefähr geht es mir auch.

Allerdings nicht nur mit dem Ordensleben, sondern auch mit dem Beruf der Journalistin.

Symbolfoto: Buddhistische Nonnen
Symbolfoto: Buddhistische Nonnen

Das Gespräch mit der Äbtissin wird mich noch lange beschäftigen.

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