Gespräch mit der Ordensschwester

Symbolbild: Engel
Symbolbild: Engel

 

Ich trinke zum Essen eineinhalb Liter Saft, von dem irgendwie niemand weiß, was genau da drin ist 😒

Birne-Melisse?

Einen Facepalm 🤦‍♀️ für die Menge (entschuldigung und danke, liebe Leber) und einen für die Tatsache, dass ich etwas trinke, von dem ich nicht weiß, was es ist. 🤦‍♀️

Die Ordensschwester sitzt bei mir am Tisch; ich esse alleine, weil ich der einzige Klostergast bin. Vor dem Aufenthalt habe ich mir geistliche Begleitung und Gespräche gewünscht.

Wenn man jahrelang alleine wohnt und zum Schluss nur einmal am Tag in der eigenen Wohnung isst, ist es eine Umstellung, auf einmal dreimal am Tag zu essen, dabei Gesellschaft zu haben und zum Essen nen Berg in ein anderes Haus des Kloster-Komplexes zu gehen und bekocht zu werden.

Wo ist oben und wo ist unten?

Ich spreche irgendwann an, dass mein Berufsleben schwierig ist, nämlich dass sich ehrenamtliche Arbeit mit Journalismus und Tätigkeiten für JuristInnen reiben.

Vor allem die Tatsache, dass unsere Systeme, vor allem die Justiz und Exekutive, durchgezogen ist von lauter faulen Partitionen, von Psychopathen, die sich gegenseitig decken, macht es mir immer schwerer, meine Berufe mit Freude und Kompetenz auszuführen.

Zweifel als Garant für Qualität?

Es gibt einen Kollegen, der mir zusprach, dass es doch gut sei, dass ich Zweifel hätte, weil das genau das wäre, was mich und meine Arbeit(sweise) gut macht.

Was er aber nicht erklärte, ist, dass Zweifel auch zermürben und sabotieren und ganz viele Kapazitäten und Lebensfreude nehmen können.

Eine Lösung eingegeben bekommen?

Die Ordensschwester ist sehr freundlich und ruhig und versteht, was mich beschäftigt.

Die Ordensschwester sagte, dass ich doch nicht alles berücksichtigen könne. Außerdem könnte ich doch darauf vertrauen könne, dass mir der Heilige Geist die Lösung schon eingeben würde.

Was ich aber nicht weiß, ist, ob der Lösungsgedanke nicht doch etwas von mir ist.

Und wenn ich berücksichtige, wie viel die stetige Arbeit an mir selbst und Bildung mich im letzten Jahrzehnt verändert hat, kann ich doch nicht jetzt einfach sagen: Ich hab ne Lösung gefunden und deswegen mach ich die Sache nicht mehr und die schon noch, usw. Muss ich nicht eher irgendwie noch alles wenigstens im Hinterkopf behalten, um zumindest mit der Zeit und Weiterentwicklung auf eine (bessere) Lösung zu kommen?

Der Orden ist ein kontemplativer Orden, der seine Wirkung vor allem im Gebet – mehrere Stunden täglich – findet. Zu dem Zeitpunkt bete ich (alleine zu Hause) noch teilweise mit schlechtem Gewissen, weil ich das Gefühl habe, dass es Zeitverschwendung ist, weil ich mich besser danach fühle und ich vielleicht aber stattdessen doch noch besser an der ein oder anderen Sache oder an mir hätte arbeiten sollen.

Die Vorstellung, deren Tagesablauf zu haben – das erste gemeinsame Gebet um 5:15 Uhr und das letzte um 19:20 Uhr – stelle ich mir als unglaublich erfüllend und schön vor.

Kann ich überhaupt ernsthaft auf eine Eingebung der Instanz warten, die Leid, andauerndes Elend und Ungerechtigkeit überhaupt erst zugelassen hat?

Das macht doch keinen Sinn. Einfach wäre es, aber unlogisch.

Der Gedanke, den wesentlichen Lebensinhalt in der Anbetung einer Gottheit zu finden fühlt sich auch wie ein Ausweichen der Problematik an. Auch, weil Gott ja so viele schlimme Situationen und Konflikte überhaupt zulässt; ich kann ich doch nicht zu hundert Prozent darauf vertrauen, dass Er sich den Problemen annimmt und sie löst? Das macht doch keinen Sinn. Wie kann ich darauf vertrauen, dass der Gott, der Kindesmisshandlungen, schweren Missbrauch in Heimen und Krankenanstalten, Falschverurteilungen, Korruption, Vetternwirtschaft, Amtsmissbrauch, Behördenwillkür, Ungerechtigkeit, Strafvereitelungen auf der einen Seite und Wohlstand und Macht für Tyrannis und Oligarchie zumindest gewähren lässt?

Ist nicht die Person (Gottheit), die zusieht und Dinge geschehen lässt, mindestens genau so schlimm wie die Person (Gottheit), die schlimme Dinge verursacht?

Ich finde Befriedung im Gebet und in der Vorstellung, dass es eine allmächtige Person gibt, die immer für mich da ist und die mich liebt; aber ist das nicht etwas, was sich letztendlich jede Person wünscht? Und dann drängt sich der Gedanke auf, ob Gott nicht vielleicht doch vom Menschen gemacht wurde anstatt der Mensch von Gott.

Symbolbild: Engel
Symbolbild: Engel

Deutsches Nachrichtenportal

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.