JVA Bielefeld-Senne: Wie lebensältere Menschen Ihre Haft verbüßen

Bildschirmfoto: lte Gangster im Knast: So leben verurteilte Verbrecher im Seniorengefängnis (c) Y-Kollektiv
Bildschirmfoto: Alte Gangster im Knast: So leben verurteilte Verbrecher im Seniorengefängnis (c) Y-Kollektiv

“Alte Gangster im Knast: So leben verurteilte Verbrecher im Seniorengefängnis” ist der Titel einer gelungenen Reportage über die JVA Bielefeld für lebensältere Inhaftierte.

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Vorgänge Sichtbar Machen

Das Y-Kollektiv ist ein relativ junges Team von Journalisten und publiziert seit 2015 auf Youtube und Facebook wöchentlich Videoreportagen, die meines Erachtens insbesondere durch niedrigschwellige und unverfängliche Kommunikation Vorgänge sehr gut sichtbar macht. Wesentlich für guten Journalismus ist die Aufbereitung von Informationen, damit sie einer breiteren Masse zugänglich sind und das gelingt dem Team, wie ich finde, sehr gut:

Youtube: Y-Kollektiv

Facebook: Y-Kollektiv

Twitter: @Y_Kollektiv

Das halbe Leben im Gefängnis: Bankräuber Hans-Horst Hesse

Mit dem in der Reportage gezeigten primitiven Bankräuber Hans-Horst Hesse, der sein halbes Leben im Gefängnis verbrachte, habe ich kein Mitleid. Ich finde es ärgerlich, dass die Gesellschaft für die Unterbringung dieses Individuums bezahlen muss:

Bei Minute 10:08 sieht man, wie er in seinem vollständig seniorengerecht eingerichteten Einzelzimmer sogar die Markenlimonade Coca Cola und Zigaretten hat – hat natürlich nicht den Anstand, wenigstens der Reporterin den Passivrauch zu ersparen – und beim Tischgespräch ab Minute 20 sieht man, dass er entspannt Schokolade isst.

Absolut degeneriert und widerwärtig.

Und ungerecht. Es gibt so viele aufrecht durch Leben gegangene SeniorInnen, die bettelarm Pfandflaschen aus Mülleimern fischen müssen, um an ihrem Lebensabend einfachstes Essen auf den Tisch stellen zu können, das Hans-Horst Hesse auch noch nett von der JVA serviert wird.

Absolut ungerecht.

Was sagst Du zur Reportage und den portraitierten Personen?

4 thoughts on “JVA Bielefeld-Senne: Wie lebensältere Menschen Ihre Haft verbüßen

  1. Banküberfall – das jahrzehntealte Thema vieler Krimis heute verdrängt durch den technischen Fortschritt.

    Immerhin hat Herr Hesse niemand verletzt oder getötet. Die Beute aus den Banküberfällen hätte er in den Zeiten seiner Gefängnisaufenthalte mit einer Tätigkeit in einem normalen Ausbildungsberuf mehrfach netto verdient.

    In den 80er bis in die 90er Jahre wuchsen zudem der amerikanische S&P 500 – Index um das fünfzehnfache, der Nasdaq – Index um das vierzigfache, der deutsche DAX – Index um das zwölffache.

    Dies hat der Herr Hesse wohl selbst im Gefängnis nicht mitbekommen.

    Das soll in keiner Weise entschuldigen, was er getan hat.

    Nur waren Verrückte wie Markus Bitsch oder Polizisten wie Norbert Poehlke viel schlimmer – für teilweise lächerliche Beträge. Dessen ermordete Kinder wären heute in den Vierzigern.

    1. Hallo blub,

      danke für’s Lesen und den Kommentar! Verletzt hat Hesse Personen meines Wissens schon, denn auch psychische Verletzungen, namentlich zum Beispiel Zustände nach Todesängsten und die Todesängste selbst, sind Verletzungen.

      Wie Du aber schon selbst schreibst; alles ist sehr tragisch und um jedes derart sinnlos und brutal ausgelöschte Leben ist es außerordentlich schade.

      Viele Grüße

  2. Hallo Kristina,

    in diesem Zusammenhang sind ggf. noch die “Gentlemen-Bankräuber” interessant:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Bankraubserie_Nordbaden/S%C3%BCdpfalz

    Oder der abgebrochene Jurastudent aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen, der während 17 Jahren mit über 20 Banküberfällen “nur” TEUR 0,4 Mio. erbeutet hat – was er als Nettoeinkommen als juristischer Sachbearbeiter in dieser Zeit ebenfalls hätte verdienen können:

    https://www.aachener-nachrichten.de/nrw-region/lange-haftstrafe-fuer-gescheiterten-studenten_aid-34232455

    Es ist immer wieder überraschgend, daß Einzelne in Jahren und trotz viel freier Zeit keine andere Perspektive für ihr Leben entwickeln können.

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