Tagebuch, Seite 1

Liebes Tagebuch,

Symbolbild: Tagebuch schreiben

 

es ist 1:06 Uhr am 15.8.19 und ich kann nicht schlafen, obwohl der Tag fordernd war.

Bankgeschäfte

Ich war knappe zwölf Stunden im Büro und in der Mittagspause bei meiner neuen Bank; dort werde ich als Empfehlung eines Juristen geführt, dessen Assistentin ich etwas länger gewesen bin und habe in der Folge einen unglaublichen Service und Gebührenerlassungen erhalten, wie ich ihn in meinem ganzen Leben noch nie hatte. Ich bin eher gebeutelt vom grottigen Kunden”service” der gebührenfreien Internetbanken…

Meiner Beraterin habe ich heute einen Versicherungswunsch anvertraut und habe ihr versucht, das hierzulande geltende Pendant zum deutschen Vermieterpfandrecht und eine bizarre Geschichte dazu zu erzählen. Komisch.

Fernsehteam und neue Strafsachen

Im Büro hatten wir ein Fernsehteam da, das über einen kritischen Justizfall berichten wird, an dem wir beteiligt sind.

Die etwa zehn Stunden Nettoarbeitszeit kamen insbesondere durch zwei neue Strafsachen zu Stande; Causae, die erst nach Fahndungs- und Festnahmeerfolg zu uns kommen finde ich immer spannend. Es war meine Aufgabe, den Akt für den Juristen vorzubereiten. Als es dunkel war kam einer der Anwälte mit seiner Frau nochmal ins Büro; diese fanden das nicht schlimm, dass ich länger da war. Die Frau hat mir sogar verständnisvoll über die Schulter gestrichen als ich die neue Strafsache als Grund dafür genannt habe, nach Schluss noch im Büro zu sein.

Es war schön, so einen Ausdruck des Vertrauens zu erhalten. Nicht jeder Jurist würde jede Assistentin alleine in der Kanzlei lassen.

Elfenartigkeit

Die Frau hatte auch so einen schönen Rock an – mit einem durchsichtigen, beigen Überrock. Da war ich schon beeindruckt von der Eleganz und Elfenartigkeit zu so später Stunde. (Hier ist ein Bild von einem ähnlichen Rock; das Foto kann ich aus Urheberrechtsgründen nicht direkt einbinden: Lanius Tüllrock) Ist der nicht schön?! “Blickdichter Unterrock; verlängerter, transparenter Überrock” heißt das also lt. Produktbeschreibung 🙂

Oh, noch ein schöner Spitzenrock: Midirock 🥰 Och, ich sollte weg vom Onlineshopping…

Dann wurde ich noch über einen Street-Food-Markt informiert, der ein paar Straßen weiter gerade stattfand. Ich war aber zu müde, noch dorthin zu gehen.

Auf Twitter habe ich mich auf der Heimfahrt über Kätzchen gefreut, die ich mir schon mal finanziell nicht leisten kann. Im Moment reicht es eher so für eine Topfpflanze.

Ich muss sparen, denn es stehen Prüfungsgebühren, Fahrtkosten und ein Wohnungswechsel an…

Aus dem gehobenen Viertel zurück ins Migrantenviertel…

Auf dem Nach-Hause-Weg war der Hauptbahnhof wieder unangenehm anzusteuern, weil dort einfach zu viele rücksichtslose Raucher und Trinker sind und der Gestank immer in das Fahrzeug zieht, das da eine Weile hält.

Auf dem Fußweg zur Wohnung hörte ich einen älteren Mann weinen, der mit einer Plastiktüte vor dem Supermarkt umher lief. Ich hatte ihn vor Kurzem auch weinend im Supermarkt vor dem Bierregal stehen sehen. Das war echtes Weinen und das geht durch Mark und Bein.

Symbolbild: Tagebuch schreiben

Im Migrantenviertel nachts auf einen fremden Mann zugehen, der in einem emotionalen Ausnahmezustand ist, habe ich mich dann doch nicht getraut, zumal er auch von mir weggegangen ist als ich stehen blieb und zu ihm rüber sah.

Erwachsene gestandene Männer weinen zu hören ist was ganz Schlimmes. Da muss etwas Schlimmes passiert sein und dann will man natürlich auch helfen…

Das Schloss Belvedere besuchen

… ist einer meiner Wünsche. Ich war noch nie in Wien, das so toll sein soll und eine Twitternutzerin hat so eine schöne Aufnahme vom Schlossgarten hochgeladen.

Sich @Meer_trauen

… heißt ein Projekt von Marc Schaubs aus Erfurt, über das er via Twitter auf die Krankheit “Depression” informiert und Ausflüge für Betroffene organisiert. Er ist selbst betroffen und sieht sich zudem seit Monaten mit heftigen Mobbingattacken im Internet konfrontiert. Sogar im Privatleben sollen er und sein Geschäft bedroht worden sein.

Wenn ich das richtig gelesen habe, möchte Marc jetzt zivilrechtlich gegen die besonders hartnäckigen Mobber vorgehen, hat aber kein Geld dafür. Ich nehme an, die Staatsanwaltschaft hat das getan, was sie in einem wesentlichen Teil der Fälle anonymer Beleidigungen und Drohungen tut – nämlich nichts außer auf den Zivilweg verweisen.

Egal wie sich das Gesamterscheinungsbild für Außenstehende darstellt und wie eigen er die Sachverhalte kommunizieren mag; Ich sehe einen Menschen mit gedrückter Gesamtstimmung, weit hinter seinem Potential, der trotzdem mutig genug ist, offen für alle Welt einsehbar unter Klarnamen um Hilfe zu bitten und ich denke, das alleine ist schon unterstützenswert:

Durch ein Like, einen Retweet oder gar eine Spende – ich schaue auch mal in meine Geldbörse – kannst Du

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Gute Nacht, Tagebuch! 🌙

Ende der ersten Seite.

2 thoughts on “Tagebuch, Seite 1

  1. Moin,

    es macht Spaß zu lesen und zu erfahren was andere bewegt.
    Ich finde den Spagat spannend, da dies ja quasi ein öffentliches Tagebuch ist, zwischen subjektiv erlebten und persönlichem Empfinden.
    Ich hatte, wie vermutlich viele, als Kind auch mal angefangen Tagebuch zu schreiben. Überneulich ist es mir wieder mal in die Hände gefallen, ist schon irgendwie witzig …
    Also vielen Dank für diesen Blick über deine Schulter, mach weiter so.

    1. Lieber Mario,

      vielen Dank fürs Lesen und kommentieren. Tagebuch schreiben kann etwas sehr Schönes sein. Dein Tagebuch aus Kinderzeiten würde ich gut aufheben 🙂

      Liebe Grüße,

      Kristina

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