Wegschauen

Kristina Kral #169 Adapter Übungs-CD Johannes Brahms Ein Deutsches Requiem Sopran Stapel Chornoten
#169 Adapter, Übungs-CD, Stapel Chornoten

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An Tag 169 des 365-Tage-Minimalismus-Projektes gehen ein Adapter und irgendwelches Kopfhörergedöns, das in einer Box rumkullerte, eine Gesangsübungs-CD und ein Stapel Kirchenchornoten, die ich nicht mehr in Papierform brauche.

Minimalismus – Tag 169

Die Übungs-CD war für das schöne Brahms-Requiem, in dem ich im Sopran gesungen habe. Ich glaube, in der Alt- oder Tenorstimme zu singen hätte mich in dem Fall nicht annähernd so erfüllt.

Der Stapel Chornoten wurde digitalisiert. Irgendwie will man die alten Noten, auch wenn es nicht unbedingt die Lieblingsmusik war, nicht ganz weggeben, auch wenn man sich womöglich gar nicht mehr mit ihnen beschäftigen wird. Aber es sind halt schöne Erinnerungen, auch wenn es “nur” das Probenerlebnis mit anderen oder der Gottesdienst war, in dem man das Stück einmalig gesungen hat.

Der Adapter ist defekt und hat mich schon in große Schwierigkeiten gebracht.

Handyakku unterwegs leer – Schwierig

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich in einer richtig blöden Situation an einem Londoner Flughafen war; mein Handyakku war leer und auch die Powerbank, die ich dabei hatte und dann auch noch das Laptop, an dem man noch etwas Strom hätte zapfen können.

Kristina Kral Smartphone laden MarkusSpiske Pixabay
Symbolbild: Smartphone laden

Und wenn man am Flughafen dann noch überteuert eine weitere Powerbank kauft, die als “voll geladen” beworben wird und die tatsächlich dann nur eine Viertel-Handyladung hergibt, kann man einen solchen Tag sehr frustrierend erleben 😡

Dann fliegt man noch mit so ner Billig-Airline ohne Lademöglichkeit… Wundervoll 🙄

Schuld war dieser defekte Adapter, der heute endgültig ging, an dem ich vor der Abreise glaubte, mein Handy und die Powerbank geladen zu haben… GLAUBTE. Der ging nämlich auf einmal nicht mehr richtig, wie ich erst zu spät bemerkte…

– > Seit dieser Situation bin ich immer sehr darum bemüht, immer mindestens eine voll geladene Powerbank und einen vollen Akku dabei zu haben, wenn ich das Haus verlasse.

Ein Flughafen der Megastadt London hat keine Lademöglichkeit für Handys 😡

An Flughäfen wie in Singapur, in immer mehr Zügen der deutschen Bahn oder sogar in Fernreise- und Stadtbussen gibt es mittlerweile Möglichkeiten, mit einem USB-Kabel sein Handy oder Tablet zu laden; und an dem riesen Flughafen London Stansted gibt es keine?! Das hat mich wirklich negativ überrascht.

Diese 8,5-Millionen-Mega-Stadt ist unglaublich; die 3,5 Millionen Einwohner-Stadt Berlin war die letzte deutsche Stadt, in der ich gewohnt habe, und die war schon beeindruckend, vor allem wenn man einen wesentlichen Teil seiner Jugend in einem bayerischen 13.000-Einwohner Dörfchen verbrachte…

Kristina Kral Themse Liushuquan Pixabay
Themse in der 8,5-Millionen-Einwohner-Stadt London

Jedenfalls: Wie kommt es, dass es an einem Flughafen in einer 8,5-Millionen-Einwohner-Stadt keine Lademöglichkeit für ein Handy gibt?!

Telefonieren am Flughafen? Fehlanzeige!

Da ich an diesem Tag jedoch dringend telefonieren musste, habe ich mich – nachdem es nirgendwo möglich war, das Handy zu laden, um den Anruf vom eigenen Handy zu tätigen – auf die Suche nach einer anderen Möglichkeit gemacht:

  1. am Flughafen gab es Telefonzellen, die jedoch kein Bargeld annahmen und auch keine meiner Bankkarten 🙄
  2. kein Restaurant, keine Airline, kein Geschäft oder Café konnte oder wollte mir eine Möglichkeit einräumen, kurz mein Handy zu laden oder zu telefonieren
  3. nicht einmal der Info-Point des Flughafen konnte mir eine Möglichkeit zum Telefonieren nennen; die konnten [angeblich] selbst nur intern telefonieren
  4. das vier Sterne Radisson Blu Hotel am Flughafen London Stansted hat zwar ne riesen Lounge und sicher auch irgendwo eine Möglichkeit, mal eben ein Handy zu laden oder telefonieren zu können, jedoch wohl nicht für nichtzahlende Reisende
Kristina Kral Ask Schild Terimakasih0 Pixabay
Symbolbild: “Ask” (zu Deutsch: Frag!)- Schild

Das war wirklich peinlich. Nicht nur für mich, sondern für das gesamte Tourismus-, Gastwirtschafts- und Transportgewerbe, das sich um diesen Flughafen etabliert hat.

Man wird dort kilometerlang – vom Check In zu den Gates – durch eine schillernde Einkaufsmeile und Parfumshops geführt; Restaurants, Drogerien und Gemischtwarenläden bieten laut ihre überteuerte Ware an, aber man kann nirgends sein Handy laden oder telefonieren? Ok…

Hilfe? Gerne! Aber nur, wenn Sie nicht wirklich hilfsbedürftig sind…

Ich habe dann auch verschiedene Privatpersonen angesprochen, die am Flughafen warteten und fand letztendlich vier (!) nette Kontakte, die mir dann schlussendlich geholfen haben; eine Person leihte mir ihr Handy, konnte aber nicht aus GB raus telefonieren, zwei Personen leihten mir ihre eigene Powerbank und eine vierte Person steckte meine SIM-Karte in ihr Handy und ließ mich damit telefonieren.

Kristina Kral Telefonieren Kermit Alexas_Fotos Pixabay
Symbolbild: Drama um ein einziges Telefonat

Die Reaktionen von Beschäftigten wie auch von Personen waren teilweise aber unglaublich.

In London selbst bekam ich zuvor am gleichen Tag in der typisch freundlichen englischen Art überall Auskünfte und Hilfestellungen; an Bahnhöfen wird man von Personal angesprochen, wenn man etwas desorientiert guckt, eine Taxifahrerin suchte am Privathandy nach einer viel günstigeren Verbindung für die öffentlichen Verkehrsmittel anstatt teuer selbst zu befördern, ein Bauarbeiter geleitet mich zeitaufwendig von einem Ende des Bahnhofes zum anderen, Privatpersonen gaben Auskünfte und Empfehlungen, etc.

Introvertiertheit in England

Ich bin eine introvertierte Person, aber in England macht es mir zeitweise sogar Spaß, auf Personen zuzugehen, auch, weil dort eine ganz andere Mentalität als in Mitteleuropa herrscht.

Solche positiven Sachen erlebe ich normalerweise in London und auch an anderen internationalen Reisezielen.

Als ich dann jedoch am Flughafen eben diesen dringenden Anruf erledigen musste und wirklich nur Strom für ein Handy oder ein Telefonat wollte (gegen Bezahlung) und hinter diesem Wunsch eine gewisse Not oder Dringlichkeit erkennbar war, waren die Reaktionen GANZ ANDERS

Zu diesen negativen Reaktionen gehörte

  • Ignorieren; z. B. der Mann vom Informationsstand des Flughafens, der sich lieber in seiner slawischen Sprache mit einem Freund unterhielt anstatt mir zu antworten,
  • Nachäffen und Verhöhnung; z. B. der Mann vom Costa Café am Flughafen, der offensichtlich jemand ist, der selbst ganz unten in der Nahrungskette steht,
  • Unhöflichkeit; z. B. die Dame vom WH Smith Shop, die mich fast schon anschrie, dass das Telefon kaputt wäre. Dort kaufte ich auch zuvor die als “geladene” Powerbank beworbene fast leere Powerbank,
  • irgendwas für mich Undefinierbares; Zwei Männer am Gepäck- und Postservice fragten mich in einer schmierigen Art und Weise nach den ganz genauen Umständen des wichtigen Anrufes, was es für mich bedeuten würde, ihn tätigen zu dürfen und dann würden sie gemeinsam entscheiden, ob mich einer von ihnen VIELLEICHT sein Privattelefon nutzen ließe 🤮,
  • Wegschauen; Viele Menschen haben mich einfach nur gemustert und die Kommunikation so unterbunden, indem sie einfach wegschauten bzw “konzentriert” auf ihr Handy oder Buch zu schauten oder sich schlafend stellten.

Wegschauen

Dieses “Wegschauen” war wahrscheinlich das Schlimmste. Dass mich eine offensichtlich gestresste Verkäuferin fast anschreit oder ein Café-Mitarbeiter, der offensichtlich in jeder Hinsicht ganz unten in der Nahrungskette steht und der sonst kaum in Situationen kommen wird, in denen er in irgendeiner Hinsicht gegenüber jemand anderem im Vorteil sein wird, war natürlich blöd.

Klar.

Aber in Deutschland, wo ich aufgewachsen bin, ist das ja Alltag und insofern kennt man das.

Kristina Kral Ignoranz Sponchia Pixabay
Symbolbild: Ignoranz

Dass die Leute dann aber “wegschauen” und das teilweise noch ganz demonstrativ, nach eingehender Musterung meiner Person oder mit hochgezogenen Augenbrauen UND dann noch offensichtlich genau zuhören, was weiter gesprochen wird, das war für mich das Schlimmste. Das drückt mehr Geringschätzigkeit aus als jeder nachäffende, maulende oder gestresst schreiende Verkäufer.

Normalität

Meine “Not” war jetzt aber “nur” ein Anruf und ich sah wie eine ganz normale Reisende aus.

Wie müssen sich dann jedoch Personen fühlen, die nicht “normal” aussehen, sondern vielleicht wegen Obdachlosigkeit optisch ungepflegt sind und die alleine deswegen schon wegen etwas weitaus Wichtigerem fragen müssen?

Kristina Kral Bettlerin Aamiraimer Pixabay
Symbolbild: Bettlerin

Wie müssen sich um Hilfe bittende Personen fühlen, die sich vielleicht auf Grund einer Krankheit oder Behinderung nicht “normal” mitteilen können?

Oder wie müssen Personen das erleben, deren Not bzw Dringlichkeit viel größer ist als meine wegen eines wichtigen Anrufes?

Ich hatte das Gefühl, dass – wenn ich zusätzlich noch “anders” gewesen wäre – ich es noch weitaus schwieriger gehabt hätte.

Das muss doch dann die absolute Hölle sein.

Ich

… werde über diese Reaktionen noch öfter nachdenken. Ich habe jetzt jeden Abend einen Moment, in dem ich mich tatsächlich nur um meine Elektronik kümmere, Akkus lade, die Funktionalität und Aktualität dieser überprüfe und meinen nächsten Tag plane. Mir war vorher nicht bewusst, wie viele Funktionen mittlerweile an Smartphone und co. hängen.

Bei ehrenamtlicher bzw sozialer Arbeit werde nun noch sensibler sein.

Im Alltag werde ich mich bei Fragen nach Hilfe mehr darum bemühen, mich nicht aus Versehen missverständlich auszudrücken; ich möchte – auch wenn ich nicht helfen können sollte – immer unmissverständlich freundlich und respektvoll sein.

Reisen werde ich noch penibler planen und vorbereiten, um solche Situationen nach Möglichkeit gänzlich ausschließen zu können.

Powerbank
Ladende Powerbank

Wie sind Deine Erfahrungen mit Situationen, in denen Du um Hilfe bitten musstest? Lass mir gerne einen Kommentar da oder schick mir eine Email: KristinaK [at] mail.uk.

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